29. Januar 2026

Unerhört!

Die Stadtharmonie Zürich Oerlikon-Seebach feiert das musikalisch Unbekannte in einem farbenfrohen Konzert

Es liegt eine besondere Magie darin, Musik zum ersten Mal zu erleben. Eine Melodie, eine harmonische Wendung oder ein rhythmischer Einfall kann tief berühren – selbst wenn man das Stück noch nie gehört hat. Unser bevorstehendes Konzert in der Zürcher Tonhalle greift genau dieses Erlebnis auf und präsentiert ein facettenreiches Programm mit Werken, die dem Publikum möglicherweise neu sind. Unerhört? Aber mit Vergnügen.

Der Abend beginnt mit Michael Daugherty’s Bells for Stokowski, einer Hommage an den legendären Dirigenten Leopold Stokowski, der den Orchesterklang des 20. Jahrhunderts massgeblich prägte. Daughertys Werk schimmert vor metallischer Brillanz und kinetischer Energie und erkundet die klanglichen Möglichkeiten von Glocken und Perkussion. Für Zuhörerinnen und Zuhörer, die das Stück zum ersten Mal hören, ist es eine Einladung, die Farben des Blasorchesters neu zu entdecken – und zu erleben, dass Sleigh Bells (Schlittenglöckchen) nicht nur zu Weihnachten erklingen können.

Es folgt Colonial Song von Percy Aldridge Grainger, einem Pionier der modernen Blasorchesterliteratur. Das Werk widerspiegelt Graingers Faszination für Volksmelodien, nostalgische Harmonien und (damals) unkonventionelle Klangfarben. Zwischen 1911 und 1914 entstanden, wollte Grainger mit Colonial Song ein australisches Volkslied schaffen, das ohne direkte Vorlage auskommt und dennoch emotional tief in seiner Heimat verwurzelt ist. Die Komposition ist zugleich zart und würdevoll – eine sanfte Erinnerung daran, dass auch unbekannte Melodien eine starke emotionale Wirkung entfalten können.

Danach steht die Schweizer Erstaufführung von Amor Fati auf dem Programm. Dieses zeitgenössische Werk aus der Hand von Michael Markowski, überrascht mit komplexen Texturen und unerwarteten klanglichen Wendungen. Der stoische Grundsatz «Amor Fati» (lateinisch für «Liebe zum Schicksal») sowie Hollywood-Heldenfilme inspirierten Markowski zu dieser Komposition. Der «Ruf zum Abenteuer» lädt dabei nicht nur den Helden, sondern auch das Publikum ein, dem Unbekannten auf einer filmisch-musikalischen Reise zu begegnen.

Den brillanten Abschluss bildet Luis Serrano Alarcóns Second Symphony, ein mitreissendes und expressives Werk, das Tradition und Moderne miteinander verbindet. Obwohl die Second Symphony ohne direkte musikalische Zitate auskommt, lebt sie deutlich aus dem Geist der romantischen Sinfonik. Der aus Valencia stammende Komponist spielt meisterhaft mit Themen und Motiven, die dem Publikum das Gefühl geben, man könne sie mitsummen – nur um dann plötzlich die Spur zu wechseln, und die Zuhörenden dennoch sicher mitzunehmen.

Jedes Werk dieses Programms lädt auf seine eigene Weise dazu ein, den persönlichen Hörhorizont zu erweitern, und zu erkennen, dass das Unbekannte nicht gefürchtet, sondern gehört werden will. Wir freuen uns schon, genau das gemeinsam mit Ihnen am 7. März in der Tonhalle Zürich erleben und feiern zu dürfen.

Text: Rosanne Vandeweerdt, unterstützt von Jürg Wehrli (Autor des Programmhefts), sowie chatGPT.

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